Faszination Papier

Shownotes

Die ALBERTINA beherbergt eine der bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt. Die Ausstellung Faszination Papier gibt einen Einblick in die Vielfalt der Kunst auf Papier und spannt einen Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Papier ist weit mehr als ein bloßer Bildträger: Künstler:innen nutzen seine unterschiedlichen Eigenschaften, um zu zeichnen, zu drucken, zu experimentieren und neue Ausdrucksformen zu entwickeln. Die Ausstellung zeigt Werke aus verschiedenen Epochen und macht sichtbar, wie sich Techniken, Themen und künstlerische Vorstellungen über die Jahrhunderte verändert haben.

In dieser Folge sprechen wir über:

die Geschichte des Papiers in der Kunst Zeichnungen und Druckgrafiken aus verschiedenen Jahrhunderten die Besonderheiten grafischer Techniken die Bedeutung der grafischen Sammlung der ALBERTINA Papier als künstlerisches Medium vom Mittelalter bis heute

🏛️ Diese Folge entstand im Rahmen eines Besuchs der Ausstellung Faszination Papier in der ALBERTINA.

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00:00:12: Hallo und herzlich willkommen!

00:00:14: Mein Name ist Matthäus Beer.

00:00:16: Und heute beschäftigen wir uns wieder einmal mit Kunst, denn schließlich gilt...

00:00:21: ...Kunst kann alles sein!

00:00:23: Absolut richtig – ganz konkret geht es heute um einen besonderen und exklusiven Werkstoff der einerseits total robust stark-und widerstandsfähig ist und andererseits leicht entflammbar bei Feuchtigkeit weich wird und schnell zerknittert.

00:00:38: Na?

00:00:39: Hat schon wer eine

00:00:40: Idee?!

00:00:42: Ja, wohl.

00:00:42: Es geht um nichts anderes als Papier.

00:00:45: Papier ist ungemein vielfältig – man kann es beschreiben, bemalen, zerknüllen, schneiden, reißen, löchern, negeln, sägen, es zu Masché verarbeiten, damit Modelle und Flugzeuge bauen, Liebesbriefe daraus machen und Dokumente schreddern.

00:01:01: Papiere sind geduldig!

00:01:02: Und das seit vielen Jahrhunderten schon…

00:01:05: Zeichnen, schneiden, reißen oder kleben.

00:01:08: Was lässt sich denn sonst doch so alles mit Papier machen?

00:01:12: Yes!

00:01:13: Ganz genau um diese Frage geht es in der aktuellen Ausstellung Faszination Papier und dabei tauchen wir tief in die Sammlungen der Albertina ein.

00:01:22: Die Albertina ist ein großes und altes Museum und bewahrt schon seit Jahrhunderten Kunstwerke auf.

00:01:28: Im besonderen sammelt sie Papier Und der Direktor der Albertiner Ralf Gleis Hat mir auch verraten, wie viele Kunstobjekte auf und aus Papier in der Sammlung sind.

00:01:39: Über eine Million!

00:01:41: Richtig gehört – und weil das eine ganze Menge an Papier ist, kam die Frage auf was sind denn eigentlich die tollsten speziellsten außergewöhnlichsten Papierobjekten aus den jeweiligen Sammlungsbereichen?

00:02:00: Ja gute Frage Der Direktor hat mir auch das erklärt.

00:02:04: Grundsätzlich ist in einem Museum wie der Albertina natürlich alles sehr gut sortiert und geordnet, es gibt einen Tiefspeicher ein großes Depot in dem die Werke aufbewahrt werden.

00:02:15: Und damit man auch jederzeit findet, wonach man sucht, gibt er eine Art Barcode System – ein bisschen wie im Supermarkt!

00:02:23: Jedes Objekt jedes Kunstwerk hat also eine eigene Kennzeichnung die in den Computer eingegeben wird und der zeigt dann an, wo genau und in welchem Fach, in welchem Regal es gelagert wird.

00:02:34: Sogar spezielle Lagerroboter gibt es, die beim Sortieren und Aufbewahren der Werke helfen.

00:02:42: Das klingt ja alles ziemlich raumschiffmäßig.

00:02:45: digital Papier ist aber ein total analoges Material also was zum Angreifen und ziemlich alt.

00:02:53: Die ersten Papiere wurden schon vor zweitausend Jahren erfunden im China.

00:02:57: Papier ist natürlich super praktisch, wenn man zum Beispiel was aufschreiben oder zeichnen will.

00:03:03: Aber bevor Papier erfunden wurde, worauf hat man denn da eigentlich gekritzelt?

00:03:08: Man hat ganz viel früher auch auf Stein und auf Papyrus, auf Wachstafeln oder auf Tierhaut geschrieben aber das waren alles immer sehr kleine Formate.

00:03:20: Und an Stein kann man sich das vorstellen, den kann man ja auch sehr schwer mittragen.

00:03:24: Das war Eva Michl.

00:03:26: Sie ist eine dekoratorinende Ausstellung.

00:03:29: Das heißt, sie hat gemeinsam mit ihren Kolleginnen Elsilana und Katharina Höbelmann die Kunstwerke darin ausgesucht.

00:03:36: Und klar so eine kleine Steinplatte trägt man bestimmt nicht so gern in der Hosentasche – da ist ein Blatt Papier sicher wesentlich leichter!

00:03:44: Und Papier?

00:03:45: Wie wurde das damals denn genau

00:03:47: gemacht?!

00:03:48: Am Anfang hat man für die Herstellung von Papier zerkleinete Pflanzen und Stofffasern verwendet, die man zu einem dünnflüssigen Brei gekocht hat.

00:03:59: Und dieser Brei wurde dann mit sieben abgeschöpft.

00:04:02: Die Siebe wurden auf einen Untergrund geklatscht, getrocknet zum Trocknen aufgehängt.

00:04:09: Dann konnte man drauf zeichnen oder schreiben.

00:04:12: Genau so wie du und ich heutzutage!

00:04:14: Und in Europa haben Künstler und Künstlerinnen dann vor so ungefähr achthundert Jahren damit begonnen, Papier für ihre Kunstwerke zu verwenden – als Untergrund zum Zeichnen oder Malen.

00:04:27: Für wichtige Schriften und Bücher!

00:04:29: Für Porträts von Herrschänden und Heiligen aber auch für verrückte Ideen und Versuche für Erklärkarten- und Scherzbilder.

00:04:37: Die Albertina hat all das im Laufe der Jahrhunderte gesammelt.

00:04:41: Einen Teil davon kann man eben jetzt in der Ausstellung sehen.

00:04:45: Allerdings diese Papiere müssen dann ja schon richtig, richtig alt sein!

00:04:50: Was passiert denn normalerweise mit Papier wenn es länger rum liegt?

00:04:53: Es wird staubig oder wenn man also den Wasser drüber schüttet wird's

00:04:58: nass...

00:04:59: ...oder es reißt ein...

00:05:02: Eben das wird doch mit der Zeit kaputt.

00:05:05: und hier im Museum gibt es beinahe achthundert Jahre alte Papiere.

00:05:09: Wie werden die denn gelagert?

00:05:11: Die ganz alten Merke werden bei uns im Depot aufbewahrt und auch ganz bestimmten klimatischen Bedingungen.

00:05:19: Es darf nicht zu heiß, nicht zu kalt oder zu feucht sein für Papier.

00:05:23: Papier ist also nicht unbedingt teuer in der Herstellung aber trotzdem ein sehr wertvolles Material – nicht zuletzt wegen der vielen Möglichkeiten wie es genutzt werden kann!

00:05:33: Und genau das wollten die Kuratorinnen zeigen.

00:05:36: Sie haben aus dem unendlich großen Fundus des Museums Kunstwerke ausgewählt, die besonders beispielhaft für den Umgang und die Verwendung von Papier in all seinen Varianten stehen.

00:05:48: Dabei sind einerseits Werke aus der Ritterzeit zu sehen – von vor sechshundert Jahren – und andererseits Arbeiten, die erst vor ganz kurzem entstanden sind.

00:05:57: Und warum habt ihr gerade diese Arbeit ausgewählt?

00:06:02: Wir haben diese Werke ausgewählt, weil wir die besonders spannend finden.

00:06:06: Weil sie sich ganz besonders mit Papier beschäftigen, wo Papier ganz ungewöhnlich verwendet wurde und wo man auch sieht wie vielseitig das Materialpapier ist.

00:06:16: Das Besondere an dieser Ausstellung ist auch dass sie nicht chronologisch ist also nicht zeitlich geordnet.

00:06:23: junge alte sehr bekannte Und noch nie gezeigt Kunstwerke hängen oder stehen hier nebeneinander Denn üblicherweise werden für Ausstellungen bestimmte Themen oder Zeitspannen gewählt, womit dann all die gezeigten Arbeiten irgendetwas gemeinsam haben.

00:06:39: Zum Beispiel die Venizianische Goldschmiedekunst des achtzenden Jahrhunderts und dort ist dann eben nur geschmiedetes Gold aus Venedig aus den Jahren seventeenhundert bis siebzehnneunundneunzig zu sehen.

00:06:52: Hier aber haben die Kuratorinnen ganz gezielt Werke ausgewählt, die auf den ersten Blick recht wenig miteinander zu tun haben.

00:07:00: und trotzdem ergeben sich zwischen den verschiedensten Kunstwerken immer wieder unerwartete Zusammenhänge.

00:07:06: Denn der große gemeinsamen Nenner ist natürlich Papier oder die Art und Weise mit der dieses fair-und bearbeitet wurde – völlig unabhängig in welchem Jahrhundert!

00:07:17: Fragen wir dazu einmal El Silana.

00:07:19: Sie hat dabei ein besonderes Auge für die eher jüngeren Kunstwerke.

00:07:23: Und

00:07:23: dann gab es gerade im Bereich der zeitgenössischen Kunst, wo die Künstlerinnen und Künstlern noch lieben einige Ergänzungen, wo wir gesagt haben, da kennen wir ja jemanden, der genauso arbeitet, da gibt's ein bestimmtes Werk.

00:07:34: das würde perfekt noch für diese Ausstellung passen...

00:07:37: ...und um diese künstlergenerationen übergreifenden Gemeinsamkeiten im Zugang zu Papier noch ein bisschen verständlicher zu machen hier ein kleines Beispiel ganz zur Beginn der Ausstellung ist ein zartes unscheinbares Herz zu sehen Blass, rosa auf weiß-grauen Hintergrund mit schwarzem Rand.

00:07:56: Das Herz wurde vor ungefähr sechshundert Jahren hergestellt.

00:08:00: Geicht daneben hängt ein Kunstwerk von Luscio Fontana – das ist nur circa sechzig Jahre alt!

00:08:05: Was beide jedoch gemeinsam haben, ist ein feiner Schnitt mitten und ganz absichtlich durch die künstlerische Arbeit gezogen.

00:08:13: Muss jetzt nicht ein Fehler sein?

00:08:16: Es kann

00:08:17: auch Kunst

00:08:17: sein...

00:08:18: Ganz genau, und sowohl fourteenhundertsiebzig als auch neunzehnhundertzeigundsechzig hatte jemand die Idee das Papier selbst Teil des Kunstwerks werden zu lassen.

00:08:29: Beide Arbeiten wirken durch den kleinen Schnitt nämlich ungemein plastischer und drastischer also irgendwie noch wirklicher Angeblich.

00:08:39: wurde mit dem Schnitt im Herzen eine Wunde dargestellt, die nach christlichen Glauben Jesus am Kreuz erlitten hat?

00:08:47: Oder hat jemand vielleicht einen anderen Vorschlag, was es bedeuten könnte?

00:08:50: Zum Beispiel dass jemand ein gebrochenes Herz darstellen will.

00:08:54: Gut möglich und warum eigentlich nicht!

00:08:56: Der Italiener Fontana hingegen war dafür bekannt seine Bilder zu schneiden weil in die damals üblichen Leinwände einfach zu... naja flach waren Und er wollte seiner Kunst einen gewissen Tiefgang verleihen.

00:09:10: ganz wortwörtlich Wenn man so durch die Ausstellung geht, schlendert man also nicht nur an Jahrhunderten von Kunst auf Papier vorbei.

00:09:19: Man sieht eben auch höchst unterschiedliche Techniken – selbstverständlich Zeichnungen, Malereien und Drucker aber auch Stiche, Nagelungen, Faltpapiere, Modellhäuschen, Scheren-Schnitte, Kartonzimmer usw.

00:09:34: Papier ist einfach unheimlich vielseitig einsetzbar!

00:09:37: Und um diese Vielseitigkeit ein bisschen zu ordnen haben sich die Kuratorinnen verschiedene Kapitel ausgedacht, in denen die Ausstellung gegliedert ist.

00:09:47: Eines beschäftigt sich zum Beispiel mit Kunstwerken bei denen ins- oder ums Papier geschnitten wurde ein anderes behandelt optische Täuschungen Tricks und Illusionen Und ein weiteres setzt sich speziell mit Arbeiten auseinander In denen die Künstler und Künstlerin versucht haben ihr eigenes Ich zum Beispiel als Selbstporträt auf das Papier zu bannen.

00:10:08: Eindrucksvoll ist auch das Kapitel über die Bemühungen von Kunsttätigen aus verschiedenen Jahrhunderten, Städte, Länder, die Welt oder gleich das ganze Universum in Karten und Bildern einzufangen.

00:10:20: Und wie gesagt trotz vielen vielen hundert Jahren zwischen diesen Versuchen Papier zu formen und zu bändigen zeigen sich erstaunlich viele Verwandtschaften und Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Kunstwerken.

00:10:33: also lässt sich denn überhaupt ein Unterschied bei jüngeren und älteren Papierarbeiten ausmachen.

00:10:39: In der zeitgenössischen Kunst sieht man sicher, dass die Künstlerinnen und Künstlern mehr mit dem Material an sich arbeiten und weniger das Papier beschreiben – also es geht weniger um ein Bild auf den Papier sondern vielmehr darum, dass das Papierselbst das Werk wird.

00:10:57: Das heißt, es kann sein, Gegenständen wie Nägeln von hinten bearbeitet wird oder mit dem Schraubenzieher.

00:11:05: Ja, Künstlerinnen und Künstlern denken heute vielleicht auch die Besucherinnen und Besucher anders mit weil es natürlich auch darum geht dass wir selbst zu Mitakteuren werden wenn wir auch um das Werk herumgehen können.

00:11:18: Vielleicht das Werk von verschiedenen Seiten anschauen können.

00:11:21: Ich

00:11:21: glaube es ist an der Zeit ein paar der Kunstwerke näher zu beschreiben.

00:11:25: Und bezüglich des Mitmachens Was lässt sich denn sonst zu alles tun in dieser Papierschau?

00:11:31: Also man kann mit einem Fernglas auf eine Karte

00:11:34: schauen,

00:11:34: man kann auf einen weichen Teppich liegen und in den Spiegel schauen.

00:11:40: Manchmal sich sogar selbst sehen!

00:11:42: Man kann eine Trommel drehen mit einem kleinen Film wo zwei Leute übereinanderspringen.

00:11:49: Halt moment das geht mir eine Spur zu schnell.

00:11:52: ich dachte es geht um Papier.

00:11:54: also bitte der Reihe nach Fangen wir einmal mit dem Fernglas an.

00:11:58: Das ist nämlich auf eine ziemlich alte, riesige Karte von Paris gerichtet und die ist so detailliert gezeichnet dass man ein Fernglass braucht um all die winzigen Häuschen Straßen Brücken oder Kirchen darauf erkennen zu können.

00:12:12: Also man kann halt ganz genau schauen was dort also zu entdecken ist wie mit einer Lupe.

00:12:19: Man kann Wiesen sehen, man kann Bäume, man keine Häuser Und man kann Windmühlen sehen und sowas.

00:12:25: Ähnlich gigantisch wie die Landkarte ist auch ein Lieblingsstück von Herrn Direktor Gleis.

00:12:32: Der schwärmt nämlich besonders für einen Leporello, also eine Art faltbares Bilderbuch aus Japan und fast zweihundert Jahre alt.

00:12:40: Das außergewöhnliche daran ist dass es bislang noch nie und niemals ausgestellt war und deshalb die Farben noch super toll leuchten!

00:12:48: Beim Ausheben, also beim Ausfindigmachen des Leporillos im Tipo gab's aber eine kleine Überraschung Denn selbst im großen Studiensaal der Albertina ließ es sich nicht genau unter die Lupe nehmen.

00:13:01: Das ging nämlich nicht, weil dieses Buch ausgeklappt, sechsundzwanzig Meter lang ist – ich wiederhole, sechs und zwanzig Meta!

00:13:09: Wahnsinn oder?

00:13:13: Apropos Wahnsinn… Es gibt neben gebrochenen Jesus-Herzen auch noch andere Bilder, die einem Wortwörtlich den Kopf verdrehen.

00:13:20: Vor etwa fünfhundert Jahren hatte der Künstler Claude Melan nämlich die Idee Gesichter zu zeichnen Und das ausschließlich in Kreisen.

00:13:29: Richtig gehört, er hat bei der Nasenspitze begonnen im kreisrunden Bewegungen von innen nach außen.

00:13:35: Bei den dunkleren Stellen wie Schatten, Augenhöhlen oder Haaren hatte er ein bisschen fester aufgedrückt ist aber nicht von seiner Kreislinie abgewichen.

00:13:44: ganz schön abgedreht, oder?

00:13:47: Also es hat so auswählende Spirale die bei der Mitte von der Nase anfängt und dann halt immer, immer größer wird bis zu den Augen noch weiter so.

00:13:58: Zuerst habe ich gedacht das Bild wäre auf eine Schallplatte gemalt aber wenn man genau schaut sieht es wie eine Spirale aus die immer weiter geht.

00:14:09: Schall platten gibt's zwar keine dafür aber Bäume, Bäume auf Papier mit Schreibmaschine gemalt gezeichnet gepflanzt

00:14:18: Und dieser Baum würde wirklich mit der Schreibmaschine geschrieben.

00:14:22: Das Werk von Johanna Keier, einer kolumbianischen Künstlerin wurde mit der Scheibmaschine geschrieben und zwar ist das ein Gesetzestext beziehungsweise Kommentare und Artikel zu diesem Gesetzestext und in dem Gesetz ging es darum dass Bauern oder die indigene Bevölkerung, also die Ureinwohner Kolumbiens in den Achtzigerjahren enteignet wurden.

00:14:45: Man hat ihnen ihr Land weggenommen und in diesem Gesetz von zehntausend Elf sollte geregelt werden dass sie zumindest Geld oder sogar ihr Land wieder bekommen.

00:14:54: Und in der Beweisführung, dass man sagen konnte ja das Land hat immer schon mir gehört wurden sogenannte Zeugenbäume anerkannt.

00:15:02: Also Bäume die an der Grenze gewachsen sind oder wo sich Familien schon seit Generationen immer wieder versammelt haben.

00:15:08: und darum hat Johanna Keier einen Baum mit der Schreibmaschine gezeichnet.

00:15:13: Und weil Papier ursprünglich ja auch aus Blättern und Bäumen gemacht wurde, passt dieser Zeugenbaum besonders gut auf das Papier der Notare-und Anwälte die sich um diese Gerichtsverfahren gekümmert haben.

00:15:26: Ganz schön verästelt irgendwie!

00:15:29: Besonders gut passen auch die sogenannten Zoetropstreifen in die Ausstellung.

00:15:34: Die bringen nämlich wahrhaftig Bewegung aufs Papier.

00:15:37: Vor zweihundert Jahren wurden diese Streifen als Vorläufer des heutigen Films entwickelt.

00:15:43: Lang vor Internet und Fernsehen starte man für Bewegtbilder auf Papier.

00:15:47: Ich schwöre, kein Scherz!

00:15:49: Dabei musste man eine Art Holztrommel drehen durch die kleinen Schlitze spähen und dann...

00:15:55: Also da dreht man sie und das ist quasi wie so ein Film den man anschaut.

00:16:01: und da waren dann zwei Personen, die sind übereinander gehüpft Und das hat man gedreht.

00:16:08: und dadurch, dass er sich gedrehte haben sich die Bilder halt mitgedreht.

00:16:12: Das waren immer kleine Schritte wie sich die Bilder bewegt haben.

00:16:16: So wurde es zu einem Film.

00:16:18: Perfekt erklärt!

00:16:19: Gibt's noch was zu ergänzen?

00:16:21: Der Ausgangspunkt war überhaupt eine Wette von dem Mybridge wo ja ein englischer Adeliger gewettet hat... ...dass ein Pferd beim Galopp einmal alle vier Beine in der Luft hätte.

00:16:36: Und das hat Mybridge damit beweisen können, indem er auf einer Rennenbahn mehrere Kameras aufgebaut hat.

00:16:42: Wo er dann verschiedene Phasen des Laufens festhalten konnte und so ein Foto dabei war, wo es tatsächlich alle vier Beine in der Luft hatte.

00:16:52: Somit war der Beweis herbracht und was dann Mybridge ihm gemacht hat, war dass er dann alle diese Fotos

00:16:56: zusammen

00:16:57: montiert hat vorgeführt hat.

00:17:01: und das war natürlich im neunzehnten Jahrhundert, wo es noch keine Filme, keine Kinos, kein Fernsehen gab.

00:17:09: Eine absolute Sensation ist auch eines der Wexierbilder in der Ausstellung.

00:17:14: Das sind Bilder die so gemalt oder gezeichnet oder gedruckt wurden dass sie nur aus einem ganz speziellen Blickwinkel heraus zu entschlüsseln sind ein bisschen wie Verkehrszeichen auf der Straße die riesig groß und lang wirken wenn man daneben steht.

00:17:29: Fährt man aber mit dem Fahrrad oder Auto dran vorbei, lässt er sich ohne Weiteres als Pfeil- oder Kreuz erkennen.

00:17:36: Also wirkst hier Bilder an.

00:17:37: sich sind ja Werke die man nur aus einem ganz bestimmten Blickwinkel sehen kann.

00:17:41: und solche optischen Spielereien wenn man so sagen will entstehen eben auch genau in der Zeit in der Renaissance am frühen sechzehnten Jahrhundert wo man sich ganz bewusst mit Perspektive auseinandersetzt Perspektivische Tricks angeeignet hat.

00:17:58: Da gibt es

00:18:00: dann

00:18:00: bestimmte Apparaturen, wo man solche Bilder herstellen

00:18:04: konnte.".

00:18:06: Und ein besonders schönes dieser verzerrten Bilder stammt aus dem Jahre, und wurde von Peter Flötner angefertigt.

00:18:14: Es heißt der seine Notdurft-verrichtende Bauer und zeigt einen Bauern, der... Also neben den Bauern sieht man auch

00:18:23: Pflanzen Aber auch einen Mann und der macht wohin.

00:18:28: Okay, okay ich glaube da müssen wir nicht weiter ins Detail gehen aber anschließend daran.

00:18:35: es gibt hier auch eine Skulptur die ganz und gar aus Klopapierrollen besteht.

00:18:39: Die hat der Künstler Heimo Zobernick angefertigt Stück für Stück Rolle für Rolle bis ein wildes wuchendes Kloprapierrollmonster an der Wand hing.

00:18:49: Ein bisschen macht sich der Künstler damit auch über die allzu strenge Ernsthaftigkeit in der Bildhauerei lustig, bei der üblicherweise nur edle Materialien wie Marmor oder Bronze verwendet werden.

00:19:01: Aber wie ist das denn jetzt eigentlich mit dem Alltäglichen in der Kunst?

00:19:05: Papier ist ja auch ein Gebrauchsgegenstand, oder?

00:19:07: Und manche der Kunstwerke hier sehen ja sogar regelrecht zerrissen aus!

00:19:12: Bilder zerschneiden und Chlorpyrrollen zusammenkleben – was hat das denn mit Kunst zu

00:19:17: tun?!

00:19:18: Kunst darf alles, im Grunde.

00:19:22: Mit dem Papier sind eigentlich keinerlei Grenzen gesetzt und es ist eigentlich mit der Spannung dieser Ausstellung das Faszinierende, dass Papier so unterschiedliche Formen annehmen kann.

00:19:32: Und mal ist es eben etwas hochwertig.

00:19:33: Es ist ein Gebrauchsgegenstand.

00:19:38: Das hat eben Heimo Zubonik mit seiner Klopapierrollenskultur gemacht.

00:19:43: Der hat eben nach und nach dieses Kunstwerk angefertigt – also so wie er halt an die Kloppapierollen rangekommen ist, wie sie halt reinachtern leer.

00:19:51: wurden und hat die aneinander gefügt.

00:19:53: Und er hat auch gesagt, der Kleber hat die Skulptur mitgeprägt weil der ja eben nicht sofort trocknet.

00:20:00: Es sind also bestimmte Dinge, auch der Zufall, die Einfluss auf dieses Werk

00:20:05: nehmen.".

00:20:05: Ohja!

00:20:06: Heute ist Papier ein universell einsetzbares und verfügbares Material.

00:20:11: Beinahe jeder und jede hat Zugang zu Papier.

00:20:14: Als es noch handgeschöpft und mühsam aus Pflanzenfasern hergestellt wurde war das natürlich nicht so.

00:20:20: Und trotzdem wurde Papier auch schon früher für vermeintlich unwichtige Dinge wie Spielkarten, Witze oder eben auch kackende Bauern verwendet.

00:20:29: Und schon vor sechshundert Jahren gab es Anleitungen für faltbare ganz aus Papier geformte Sonnenuhren.

00:20:36: Viele dieser Gebrauchsgegenstände sind heute nicht mehr erhalten weil sie die Menschen für nicht so außergewöhnlich hielten oder sie einfach verwendete wurden bis sie kaputt waren.

00:20:47: Aber auch wenn diese einfachen Werke keine Heiligen oder Königinnen oder Goldschätze darstellten, waren sie doch sehr aufwendig und geschickt angefertigt.

00:20:57: Und schließlich auch Kunst!

00:20:59: Denn wie wir wissen... ...Kunst

00:21:01: kann alles sein!

00:21:02: Absolut richtig – und stimmt noch immer!

00:21:05: Aber damit wir keine unnötigen Bücher füllen und hier niemand ungeduldig wird, würde ich vorschlagen gehören uns zum Abschluss noch ein paar Eindrücke von Papierinnen Kunstwerken aus der Ausstellung an.

00:21:16: Herzlichen Dank an Kaspar, Lea & Yuki fürs Mitmachen!

00:21:19: Danke an den Herrn Direktor für den Einblick in die Sammlungen und an die KuratorInnen für ihre Expertise.

00:21:25: Danke euch fürs Zuhören und viel Spaß in echt und am Papier wünscht euch Matthias Beer.

00:21:31: Statuen für Schmetterlinge oder wie Vögel, die ausgeschnitten waren

00:21:35: mit Löchern

00:21:36: zusammen geklebt und ganz viele von denen zusammengeklebt.

00:21:41: Und dann an die Ecke in der Wand.

00:21:43: Es schaut aus

00:21:43: wie ein riesiger Fotoapparat.

00:21:47: Man

00:21:48: denkt sich zuerst, dass es eine coole Mundlandschaft ist, die man dahinter sieht dabei.

00:21:53: Das ist einfach nur das Brockenlige von der Wand!

00:21:57: Ganz weit schaut's wie schriftaus?

00:21:59: Dann schaust du, finde ich viel Darkträule aus und dann... Plötzlich sieht man das in den Figurchen.

00:22:04: Es ist so ein Karton und zuerst zieht man nicht genau was es sein soll.

00:22:09: aber wenn wir das dann aufklappen Schaut so aus bei einem Karton Couch Ein Karton-Fernseher Der steht auf einen Kartonkasten Und eine kleine Kartontisch und das schaut dann halt aus wie ein Kartonnwohnzimmer.

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